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Für mich wurde der JRS gegründet

Am 14.11.1980 wurde der JRS gegründet. P. Tuân Nguyen SJ, ein ehemaliger boat people erzählt aus seiner eigenen Geschichte und Beziehung zum JRS.

Mein Name ist Tuân Nguyen und ich bin vietnamesischer Herkunft, jetzt Franzose durch Einbürgerung und Jesuit durch Berufung.
Ich wurde 1968 geboren, mitten im Vietnamkrieg. Vom Moment meiner Geburt an wuchs ich in einem Land auf, das sich im Krieg befand und in dem zwei gegensätzliche, aus dem Westen importierte Ideologien herrschten: der Kommunismus auf der einen Seite und der Kapitalismus auf der anderen.

Mein Vater war ein hochrangiger Beamter in der Republik Südvietnam, zunächst unter dem Regime von Präsident Ngo Dinh Diem und dann unter Präsident Nguyen Van Thiêu. Als das südvietnamesische Regime im April 75 den Krieg gegen die Kommunisten im Norden verlor, blieb unserer Familie keine andere Wahl, als aus unserem Land zu fliehen, sonst wäre mein Vater ins Gefängnis gesteckt und in ein Konzentrationslager geschickt worden. So beginnt meine Geschichte vom Exodus und der Flucht von Bootsflüchtlingen.

Nach dem Fall von Saigon am 30. April 1975 herrschte in ganz Saigon das totale Chaos. Überall liefen Menschen umher, einige versuchten in die US-Botschaft einzudringen in der Hoffnung, von der US-Armee mit Hubschraubern evakuiert zu werden, andere gingen an Bord von Schiffen, die sich noch am Hafen befanden und sich darauf vorbereiteten, sich der 7. vor der Küste liegenden US-Flotte anzuschließen. Mein Vater hingegen dachte daran, sich unter dem neuen Regime zur Ruhe zu setzen. Er hatte nie daran gedacht, sein Land zu verlassen. Doch angesichts der Unruhen in der Umgebung suchte er mit seinem Vorgesetzten Rücksprache, um Gewissheit zu erlangen. Als er zu Hause ankam, teilte ihm das Dienstmädchen mit, dass sein Vorgesetzter gerade von den Amerikanern evakuiert worden war, kurz bevor die kommunistischen Soldaten kamen und nach ihm suchten. Mein Vater verstand sofort, dass die vietnamesische Volksarmee als nächstes nach ihm suchen würde. Nach dieser Erkenntnis, als er nach Hause zurückkehrte, stimmte er mit meiner Mutter überein, dass wir Vietnam so bald wie möglich verlassen mussten.

So floh unsere Familie am nächsten Tag sehr früh, am 2. Mai 1975, um 3 Uhr morgens. Ich erinnere mich noch daran. Aber ich wusste damals noch nicht, dass es ein endgültiger Aufbruch ohne Rückkehr war. Wir konnten uns von niemandem verabschieden. Unsere Familie zog in einen Hafen weiter südlich, denn Saigon war bereits von der kommunistischen Macht überfallen worden, und alle Boote, die noch auslaufen konnten, waren schon weg. Und es war in Rach Gia, einem Fischereihafen weit im Süden, wo meine Eltern einen Fischer fanden, der bereit war, uns mit anderen Familien aufs Meer hinauszufahren. Auf diesem zehn Meter langen Fischerboot waren wir insgesamt 63 Personen, den Besitzer nicht mitgezählt.

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