Seelsorge

Erstaufnahmeeinrichtung

Alle Geflüchtete, die neu nach Deutschland gekommen und dem Land Brandenburg zugeteilt worden sind, kommen in die Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt, wo sie registriert werden und ihren Asylantrag stellen. Ihre Aufenthaltsdauer dort beträgt zwischen wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten. Von dort aus werden sie meist in eine der Außenstellen der Erstaufnahmeeinrichtung in Wünsdorf, Doberlug-Kirchhain oder Frankfurt (Oder) weiterverteilt. Manche Geflüchtete werden auf Unterkünfte in den Landkreisen verteilt und ein Teil der Geflüchteten wird direkt aus der Erstaufnahmeeinrichtung abgeschoben.

Auf dem Gelände der Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt befindet sich seit Sommer 2019 ein Schutzhaus, in dem Geflüchtete mit besonderer Schutzbedürftigkeit (insbesondere Menschen mit Behinderung, psychisch kranke Menschen, Frauen mit Gewalterfahrung, Opfer von Menschenhandel, Familien in besonders belastenden Situationen und LGBTQ) untergebracht sind.

Seelsorge in Eisenhüttenstadt

Zwei Mal pro Woche nimmt Sr. Regina Stallbaumer die Fahrt von Berlin nach Eisenhüttenstadt auf sich, um die dortige Einrichtung zu besuchen. Ungefähr 500 Geflüchtete sind hier untergebracht und warten auf Entscheidungen: Umverteilung in eine andere Einrichtung, Rückführung in ein Land in Europa, durch das sie gereist sind oder Rückkehr in die Heimat.

Regina Stallbaumer ist in der Einrichtung präsent. Manchmal können schon ein wertschätzender Blick oder ein freundliches Lächeln für die Menschen in ihrer meist sehr belastenden Situation einen Unterschied machen. "Ich sehe jede und jeden Einzelnen. Die Menschen haben so viel zu geben und möchten dies auch.“ Die Menschen kommen auf sie zu. Ihr Gesprächsangebot ist einfach da. Sie hat ein offenes Ohr für die Hoffnungen und Sorgen der Menschen. „Alle warten darauf, dass sie erfahren was mit Ihnen geschieht. Die Ungewissheit ist das Schlimmste." Oft tut es den Menschen gut, mit ihren Ängsten, ihrer Trauer und ihren Sehnsüchten nicht alleine zu sein, sondern wenn jemand da ist und sie mit ihnen trägt. Wo möglich vermittelt Regina Stallbaumer an weiterführende Hilfsangebote weiter, stellt Kontakte her, begleitet die Menschen beim nächsten Schritt.

Viele der dort lebenden Menschen haben einen religiösen Hintergrund. Regina Stallbaumer ist für alle Geflüchteten offen, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit. Für manche Geflüchtete ist ihr Glaube eine wichtige Kraftquelle in ihrer schwierigen Situation. Es tut ihnen gut, wenn Regina Stallbaumer mit ihnen betet, über die Bibel mit ihnen ins Gespräch kommt oder ihnen einfach ein kleines Kreuz gibt, an dem sie sich festhalten können. Manchmal werden ihr Zettel mit Fürbitten überreicht, die sie in ein Kloster mitnimmt, wo für sie gebetet wird. Ein Hoffnungsschimmer, der in einem tiefen Glauben an Gott verwurzelt ist und daran, dass sie diesen Weg nicht alleine gehen müssen.

Seelsorge in der Erstaufnahmeeinrichtung Wünsdorf

Geflüchtete „mit unsicherer Bleibeperspektive“ sind hier, 40 km südlich von Berlin, untergebracht. 400 oder mehr Menschen aus vielen Ländern, weit mehr alleinstehende Männer als Frauen, dazu Familien mit Kindern. Sie wohnen in sechs ehemaligen Kasernengebäuden, die rechteckig um einen kleinen Park angeordnet sind. Dort im Freien geht Bruder Michael Hainz SJ auf und ab, um mit den Geflüchteten Kontakt aufzunehmen. Ein freundliches Lächeln, ein Gruß stehen am Anfang. Daraus können sich Gespräche ergeben. Anfangs über das Wetter, die Familie, das Herkunftsland oder die jetzigen Lebensbedingungen. Ist hinreichend Vertrauen gewachsen, kommen auch Details der Fluchtgeschichte und die damit verbundenen Ängste und Hoffnungen zur Sprache: „Kann ich hier bleiben oder droht mir die Abschiebung?“ Für den Seelsorger heißt das vor allem, zuzuhören und die Ohnmacht mit auszuhalten. Dass er sich Zeit nimmt und Anteilnahme zeigt, entlastet und hält die Hoffnung am Leben. Dazu dient auch das Bibelgespräch, das im kleinen Seelsorgeraum stattfindet. Über das Evangelium zu sprechen, zu singen und zu beten gibt Orientierung und Halt - auch wenn die Geflüchteten nicht wissen, wie ihr Weg weitergeht.

Partner

SJ-Generalskurie
Spenden