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„Weil Charakter zählt!“ – HumanismusPlus im Bundestag

Was sind die Grundlagen und Ziele guter Bildung? Wie müssten Unterricht und Schulalltag demnach gestaltet werden? Und welche politischen Weichenstellungen braucht es? Dieser Dreiklang stand im Zentrum einer Roundtable-Diskussion zur Vorstellung des Appells „Charakter zählt!“ am 14. Juni im Deutschen Bundestag. Entgegen dem dominanten instrumentellen Bildungsverständnis, das vorrangig auf Arbeitsmarktfähigkeit und internationale Vergleichbarkeit zielt, fordert der Appell, junge Menschen und ihre Entfaltung als Person wieder in den Mittelpunkt der pädagogischen Konzepte und der Schulentwicklung zu stellen. Unterzeichner des Appells sind u.a. das Zentrum für Ignatianische Pädagogik (ZIP) und die Schulen des Netzwerks Ignatianischer Pädagogik.

ZIP, vertreten durch P. Tobias Zimmermann und P. Klaus Mertes, Vertreterinnen und Vertreter der Schulen aus dem Netzwerk Ignatianischer Pädagogik sowie weitere Unterzeichnerinnen und Unterzeichner diskutierten mit einer ausgewählten Runde von Gästen aus den Bundes- und Landesparlamenten, von Stiftungen und aus der Bildungspraxis die Forderungen des Appells, die 
P. Klaus Mertes präsentierte: „Diejenigen Erkenntnisse bilden, die selbst erkannt werden. Dabei geht es um wesentlich mehr als akademische Bildung. Es geht um Herzensbildung, die sich politisch fassen lässt. Georg Elser hat Hitler durchschaut, Heidegger hat es nicht.“

In ihrer Entgegnung betonte Dr. Melanie Piepenschneider, Leiterin Politische Bildung der Konrad-Adenauer-Stiftung, die Notwendigkeit, Schülerinnen und Schülern dabei auch Orientierungswissen zu vermitteln: „Haltung ist zentral in der Bildung. Wie soll ich mich in einer – nicht nur politisch – zunehmend komplexer empfunden Welt, die durch Krisen, Katastrophen, Notlagen und sogar Krieg geprägt ist, zurechtfinden, wenn ich keinen (ethischen) Kompass habe?“

Die Veranstaltung bündelte die Ergebnisse von Debatten aus Hintergrundgesprächen im Rahmen einer Roadshow durch die Landesparlamente, sowie aus öffentlichen Online-Salons mit bekannten Gästen wie dem Herausgeber Jochen Kaube, dem Soziologen Heinz Bude und dem Gründer des Jubilee Centre for Character and Virtues, Prof James Arthur. Darin präsentierte das ZIP mit HumanismusPlus ein Plädoyer für die Aktualität eines christlichen Humanismus wie der ignatianischen Pädagogik, die sich als anschlussfähig zeigt in einer säkularen und von Diversität geprägten Gesellschaft. 

Thomas Rachel, Fachsprecher für Kirchen und Religionsgemeinschaften der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Schirmherr der Veranstaltung unterstrich, was es mit sich bringt, wenn Schulen sich wieder auf dieses Herz von Bildung konzentrieren: „Bildung ist aus meiner Sicht Beziehungsarbeit. Austausch und Kontroverse sind der Ausgangspunkt gelingender Schule, weil sie – gerade in Zeiten starker Polarisierung – einen Beitrag zu Urteilsfähigkeit, Hinterfragen und Differenzierung leisten.“

Der Appell ist hier einsehbar: Charakter zählt! Thesen für eine zeitgemäße Persönlichkeitsbildung

Weitere Informationen: Charakter zählt! Warum eine Debatte über die Ziele von Bildung auf die Agenda gehört, und wie eine Renaissance humanistischer Konzepte dazu beitragen kann

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