Tuch der Hoffnung

Fastenpredigt

Während der Fastenzeit wird das “Tuch der Hoffnung” in der Kirche St. Klara, Nürnberg ausgestellt.

Begleitend dazu werden an jedem Freitag Fastenpredigten gehalten.

Die Predigt zum Thema “Hoffnung und Optimismus” von P. Klaus Väthröder SJ können Sie hier nachlesen.

 

„There is a crack in everything. That’s how the light gets in“ Fastenpredigt von Br. Dieter Müller SJ: Überleben in hoffnungsloser Situation: Flüchtlinge als Hoffnungsträger. Hier zum Nachlesen

 

„Die Hoffnung ist ein Gefühl der Verbindung“ Fastenpredigt von Martin Schröder SJ: Christliche Hoffnung in herausfordernden Zeiten. Hier zum Nachlesen

 

Fastenpredigt im Gottesdienst: „Wie Gott selber die Hoffnung lernen musste“ mit P. Joe Übelmesser SJ: Gedanken zum Buch „Das Mysterium der Hoffnung“ von C. Peguy.

Fr., 13.03.2026, 17:30 Uhr St. Klara, Königstraße 64, 90402 Nürnberg

 

 

Das Tuch

„In einer Welt, die von Kriegen und Ungerechtigkeiten verdunkelt ist, erheben sich die Migranten und Flüchtlinge […] als Botschafter der Hoffnung. Ihr Mut und ihre Beharrlichkeit sind ein heldenhaftes Zeugnis für einen Glauben, der über das hinausgeht, was unsere Augen sehen können […]“ (Papst Leo XIV. in seiner Botschaft zum 111. Welttag des Migranten und Flüchtlings 2025).

 

Inspiriert vom Gedanken, dass sich von Geflüchteten Hoffnung lernen lässt, hat der Jesuiten-Flüchtlingsdienst (Jesuit Refugee Service, JRS) mit Geflüchteten und Einheimischen unter der Leitung der Künstlerin Shazy Yildiz ein „Tuch der Hoffnung“ gestaltet. 

Es besteht aus alten Bettlaken: Ein eigenes Bett zu haben, in dem wir ruhig und sicher schlafen können, gehört zu den menschlichen Grundbedürfnissen. So stehen die Bettlaken für die grundlegende menschliche Sehnsucht nach einem Leben in Frieden.

Aus den Bettlaken wurden Stoffquadrate geschnitten, die anschließend beschriftet oder bemalt wurden. Geflüchtete und Einheimische hielten so ihre Antworten fest auf Fragen wie: „Was bedeutet für mich Hoffnung?“ „Was gibt mir Hoffnung?“ „Worauf hoffe ich im Einzelnen?“ Die Stoffquadrate werden durch verflochtene grüne Bänder zusammengehalten. Grün ist die Farbe der Hoffnung. Die Bänder stehen für Verbundenheit, Zusammenhalt, Solidarität, Miteinander, Freundschaft. Sie drücken aus: Niemand muss alles allein machen. Wir tragen uns gegenseitig. Niemand wird ausgegrenzt. Alle haben in gleicher Weise teil. Niemand ist verzichtbar. Alle werden gebraucht, damit das Netz hält. Das Tuch bleibt nach unten hin offen: Weitere Tücher können hinzugefügt werden. Hier ist Platz für all unsere Sehnsüchte, Träume und Hoffnungen.

Die Bänder laufen am Boden weiter: Denn die Hoffnung lebt in unserer Gesellschaft als Ganzer – von Generation zu Generation. Selbst wenn Einzelne einmal die Hoffnung verlieren, alles in allem geht die Hoffnung weiter. Sie lässt sich niemals auslöschen! Von drei Seiten her umgibt ein goldener Rahmen das Tuch. Die Goldfarbe steht für Herzenswärme, Liebe und Zuwendung sowie für die göttliche Gegenwart. Alle Menschen werden von Gottes Liebe umfangen und erhalten von Gott die gleiche Wärme – egal woher sie kommen und wohin sie gehen.

Wer fliehen musste, weiß: Hoffnung bewahren fällt schwer, wenn man allein ist. Hoffnung braucht Weggefährt*innen, z.B. wenn eine Begleiterin zum Amt mitkommt oder ein Ehrenamtlicher beim Deutschlernen hilft.

Das erinnert an die Emmaus-Jünger (Lk 24,13-35): Nach dem Tod Jesu wissen sie nicht mehr weiter. Sie brechen gemeinsam auf – und erkennen, dass der Auferstandene unterwegs längst mit ihnen war. Das schenkt ihnen Hoffnung.

Ähnliches geschieht in der Flüchtlingsarbeit. Wo wir uns gemeinsam auf den Weg machen, wird Hoffnung konkret: in einem geteilten Kaffee, einem offenen Ohr, einem nächsten Schritt, den niemand allein gehen muss. Hoffnung ist kein Gefühl. Sie ist eine Praxis – und sie braucht uns alle.

„Für mich bedeutet Hoffnung, mehr wie eine Katze zu sein und weniger wie eine Maus“, so ein Geflüchteter aus Lateinamerika. Die Maus lebt in ständiger Angst, zur Beute zu werden: Sie duckt sich, macht sich klein, erstarrt. Die Katze dagegen bewegt sich frei. Sie erkundet, sie wagt, sie vertraut darauf, dass der nächste Sprung gelingt.

Geflüchtete fühlen sich oft wie eine Maus: Sie haben Angst vor dem nächsten Brief vom Amt, dem unsicheren Aufenthaltsstatus, dem Gefühl, nur geduldet zu sein. Hoffnung bedeutet den Wechsel von der Ohnmacht zur Selbstwirksamkeit. Nicht mehr Objekt von Entscheidungen anderer zu sein, sondern Subjekt des eigenen Lebens.

Genau daran erinnert uns auch das Evangelium – an den aufrechten Gang, zu dem Christus Menschen immer wieder einlädt: „Steht auf, habt keine Angst!“ (Mt 17,7)

Ein fünfjähriges Mädchen aus Syrien wird gebeten, ein Bild über Hoffnung zu malen. Sie malt einen Regenbogen. Ein Kind, das Krieg, Flucht und Verlust durchleiden musste, setzt Farbe gegen die Dunkelheit.

Der Regenbogen ist das älteste Hoffnungszeichen der Bibel. Nach der Sintflut spannt Gott ihn über den Himmel – als Versprechen: „Ich stehe zu euch.“

Der Regenbogen ist schön durch das harmonische Zusammenspiel vieler verschiedener Farben. So kann er uns als Bild einer erstrebenswerten Gesellschaft dienen. Ihre Stärke liegt nicht in der Gleichförmigkeit, sondern in der Vielfalt der Menschen, die sie tragen. Verschiedene Sprachen, Geschichten, Kulturen – sie verdrängen einander nicht, sondern ergänzen sich. Vorausgesetzt, wir halten solidarisch zusammen, achten die Würde jedes Einzelnen und schützen gegenseitig unsere Rechte und Freiheiten. Dann entsteht eine Gemeinschaft, in der Frieden möglich wird.

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