„Der liebe Gott hat es mit mir sehr gut gemeint, denn er hat mir eine wunderschöne Jugend gegeben. So schön und freudig, wie es wohl selten Kinder beschieden sein kann, nach all dem, was ich im Laufe meines Lebens als Priester schon in Familien gesehen habe“, so gesteht Rupert Mayer SJ bei einer Ansprache zu seinem 40. Priesterjubiläum im Mai 1939.
Rupert Mayer wurde am 23. Januar 1876 in Stuttgart geboren. Er war ein Sonntagskind.
Der Vater Rupert stammte aus dem badischen Hochschwarzwald, die Mutter Emilie aus Pforzheim.
Sie zogen in die württembergische Residenzstadt Stuttgart und gehörten zur Minderheit der etwa 11.000 Katholiken. Beide traten in das Haushaltswarengeschäft Tritschler & Co. am Stuttgarter Marktplatz ein, übernahmen es nach kurzer Zeit und bauten es in den 1870er- und 80er-Jahren aus.
Mit seinen Geschwistern bildete Rupert eine verschworene Gemeinschaft. Ein Leben lang sammelte er Gleichgesinnte um sich, die mit ihm zusammenarbeiteten und zu ihm standen. Seinen Familiensinn konnte er in die apostolische Arbeit mit einbringen. Bei aller Prägung als Einzelpersönlichkeit war Rupert Mayer immer ein „Teamworker“, wie man heute sagt.
Die Eltern erzogen ihre Kinder zur Selbständigkeit – in großer Weltoffenheit und tiefer Religiosität. Waches Interesse am Zeitgeschehen und tiefe Religiosität prägten auch Ruperts ganzes Leben. Von daher kam sein umfassender seelsorgerlicher Ansatz. Er hatte immer die soziale und politische Situation vor Augen, ohne sich als Politiker oder reiner Sozialarbeiter zu verstehen. Seelsorge war für ihn etwas Ganzheitliches.