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Mertes: Erinnerung wird instrumentalisiert

Berlin - Pater Klaus Mertes SJ warnt davor, den Widerstand des dritten Reichs zu instrumentalisieren. Bei seiner Ansprache in Plötzensee Berlin während der ökumenischen Andacht zum Gedenken an den Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 blickt er dabei insbesondere auf Sophie Scholl und die Instrumentalisierung ihres Handelns. „Die Instrumentalisierung spaltet das Gedenken bis in die Familien und in die Angehörigenkreise hinein. Das ist ein Warnsignal. Erinnern kann auch spalten, je nachdem, wie wir es tun, und welcher Geist uns dabei bewegt.“ Nicht nur die Nazis haben die Wirklichkeit „verdreht“, bereits in der Bibel finde man dieses Motiv. Mertes spricht hier die biblische Versuchungsgeschichte konkret an. Doch der Jesuit findet derartige Verdrehungsmotive auch in der Gegenwart. Er spricht über den Auftritt einer Frau auf einer Querdenker-Demonstration an. Eben jene Vergleiche „instrumentalisieren“ Erinnerung oder seien „verdrehend“, denen man wiedersagen bzw. von denen man sich abwenden müsse.

Doch für Mertes bedeutet dies nicht, dass man dieser Instrumentalisierung automatisch ausgeliefert sei. „Erinnerung findet in der Gegenwart statt. Ohne den Dialog mit der Gegenwart erstarrt die Erinnerung zum toten Ritual. Man entkommt der Falle der Instrumentalisierung nicht, wenn man in die bloße Historisierung flieht, oder in die rückwärtsgewandte Idealisierung, oder in die totale Entpolitisierung des Gedenkens.“ Zum Schluss kommt Mertes noch einmal auf den Psalm 91 zurück. Er sei ei Wagnis „im Angesicht der Galgen von Plötzensee“. Er sei eine Heilszusage mitten im Unheil: „Das Nein des Widerstandes lässt sich finden in der Geborgenheit der Behütung, an die keine Instrumentalisierung herankommt.“

Am 20. Juli gedenkt insbesondere die „Gedenkstätte Deutscher Widerstand“ an die Widerstandskämpfer während der Zeit des Nationalsozialismus und den Versuch das Naziregime durch ein Attentat durch Claus Schenk Graf von Stauffenberg zu stürzen.   

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