Am Tag der Menschenrechte, dem 10. Dezember, wirft P. Peter Balleis SJ einen kritischen Blick auf die jüngsten politischen Entwicklungen in der Welt. Der Präsident der Bildungsinitiative „Jesuit Worldwide Learning“ beobachtet eine massive Verschiebung im politischen Bewusstsein in vielen Ländern. Menschenrechte und insbesondere Frauenrechte werden dabei laut Pater Balleis zunehmend relativiert, verhandelt oder ausgehebelt. Gerade Europa dürfe Menschenrechte, eine Errungenschaft der Menschheit, nicht für politische „Deals“ opfern, wie er in seiner Videobotschaft fordert.
P. Peter Balleis SJ, geschäftsführender Präsident des internationalen Bildungswerks Jesuit Worldwide Learning (JWL) mit Sitz in Genf, nimmt weltweit wahr, wie elementar der Einsatz für Menschenrechte heute ist – und wie bedroht diese Rechte zugleich sind. In den Studienprogrammen von JWL, die Menschen in Krisenregionen Zugang zu hochwertiger Bildung ermöglichen, gehört der Kurs über Menschen- und insbesondere Frauenrechte zu den beliebtesten, vor allem bei Studentinnen.
Durch Bildung anders denken und anders handeln
Gerade Frauen, deren Rechte in vielen Ländern systematisch verletzt werden, greifen dieses Wissen mit besonderem Hunger auf. Pater Balleis sieht darin ein Zeichen dafür, wie lebenswichtig die Auseinandersetzung mit unveräußerlichen Rechten ist. „Sie bekommen ein Instrumentarium des Denkens, das ihnen zeigt: Man kann anders denken“, sagt Pater Balleis. „Es ist nicht Naturgesetz, dass Frauen immer hintenangesetzt werden. Sondern es ist menschengemacht, ideologisch und aus Machtinteressen motiviert. Man kann anders denken und anders danach handeln.“
Die Menschenrechte stehen auf dem Spiel
Doch er macht zugleich eine alarmierende Beobachtung: In jüngster Zeit erlebe die Welt einen gefährlichen Rückschritt. Statt Fortschritt sieht Pater Balleis eine Relativierung und Verrückung von Menschen- und insbesondere Frauenrechten. Rechte würden neu verhandelt, ausgehöhlt, geopfert – manchmal im Namen politischer „Deals“. Die Menschenrechte, so Pater Balleis, müssten so unverrückbar im Bewusstsein der Mächtigen verankert sein, wie sie in den steinernen Säulen der Straße der Menschenrechte in Nürnberg eingemeißelt sind. Denn diese Rechte gelten immer, sagt Pater Balleis: „Die Menschenrechte stehen und sie bleiben und sie werden auch diese Generation von zurzeit schlechter Führung und denen, die die Menschenrechte verrücken, überleben!“
Die Verteidigung der Menschenrechte ist unsere Pflicht
Doch das geschehe nicht von selbst. Pater Balleis’ eindringlicher Appell richtet sich besonders an Europa: Wir müssen für diese Rechte eintreten. Sie schützen. Für sie kämpfen. Nur dann könnten Menschenrechte bleiben, was sie sind – das stabile Fundament einer gerechten Welt.




