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Kultur der Begegnung – notwendig in einer gespaltenen Welt

Die Sendung des Ordens für Versöhnung „konfrontiert uns mit der Herausforderung der Interkulturalität, einem bereichernden Austausch zwischen allen Völkern und sozialen Gruppen, die sich begegnen und ihre Kulturen teilen“. Das hat P. General Arturo Sosa SJ bei der Konferenz The Culture of Encounter: An Imperative for a Divided World (Die Kultur der Begegnung – eine Notwendigkeit für eine geteilte Welt) in Rom gesagt und unterstrichen, dass Frieden auf sozialer Gerechtigkeit gründet. „Jetzt, inmitten eines ‚ „Dritten Weltkriegs in Abschnitten‘, wie Papst Franziskus es ausdrückt, ersehnen wir einen dauerhaften Frieden, der über das Schweigen der Waffen hinausgeht“, so der Generalobere des Jesuitenordens, der sich vor allem auf die Enzyklika Fratelli Tutti von Papst Franziskus bezog. „Solange die sozioökonomische Struktur, die die Armut hervorbringt und die skandalösen Unterschiede zwischen einigen wenigen Reichen und der armen Mehrheit aufrechterhält, nicht verändert wird, und solange die religiösen Fundamentalisten und die Ideologien der Vernebelung nicht verschwinden, wird die Gewalt nicht aufhören, und auch der Strom der erzwungenen Migration und des Menschenhandels wird nicht abnehmen. Auch die Aggression gegen die natürliche Umwelt wird nicht aufhören, auch wenn sie das Leben auf dem Planeten Erde bedroht.“ Frieden erfordere, gemeinsam einen komplexen Weg der Versöhnung zu beschreiten und Voraussetzungen für den Dialog zu schaffen.

Papst Franziskus hatte schon vor Jahren zur Schaffung einer „Kultur der Begegnung“ aufgerufen, in der sich Menschen und Staaten mit unterschiedlichen Ansichten dennoch in Würde und Frieden begegnen und austauschen können. Um dieses Konzept von Papst Franziskus global umsetzen zu können, rief das Berkley Center for Religion, Peace & World Affairs der Georgetown University in Washington D.C. in Zusammenarbeit mit drei vatikanischen Einrichtungen - dem Dikasterium zur Förderung der integralen menschlichen Entwicklung, dem Päpstlichen Rat für Kultur und dem Päpstlichen Rat für den interreligiösen Dialog - das Programm „The Culture of Encounter and the Global Agenda“ ins Leben, ein internationales Netzwerk von 30 Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen der Jesuiten-Hochschulen weltweit.

Die Hochschule für Philosophie München ist mit Prof. Dr. Michael Reder, Prof. Dr. Barbara Schellhammer und Prof. Dr. Dr. Johannes Wallacher maßgeblich an diesem hochrangig besetzten Netzwerk beteiligt. Die Konferenz am 27. und 28. Mai 2022 fand in Zusammenarbeit mit La Civiltà Cattolica in der Villa Malta. Außer dem Generaloberen sprach Erzbischof Paul Gallagher, Sekretär für die Beziehungen zu den Staaten des Vatikans.

„In unserer Gruppe von Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen aus aller Welt konnten wir in intensiven Debatten und Kleingruppendiskussionen erörtern, wie zwischenmenschliche Beziehungen und sozialer Zusammenhalt in zunehmend polarisierten Gesellschaften lokal, national und global gelingen können - und wie dies für notwendige Strukturreformen auf allen Ebenen genutzt werden kann“, sagt Prof. Dr. Dr. Johannes Wallacher, Präsident der Hochschule für Philosophie München. „Das war herausfordernd und bereichernd zugleich, wie die Debatten um die aktuellen Kriege vor allem in der Ukraine, aber auch anderswo in der Welt gezeigt haben. Wir haben dabei erfahren, wie wichtig es ist, sich von anderen Perspektiven und guten Argumenten bewegen und überzeugen zu lassen. Ich freue mich darauf, diesen Prozess des Voneinander-Lernens zu vertiefen und diese Begegnung für die Lösung konkreter Probleme und die Gewinnung weiterer Akteure nutzbar zu machen. Vielen Dank an Dr. Tom Banchoff, Vice President for Global Engagement an der Georgetown University und Direktor des Berkley Center for Religion, Peace, and World Affairs, der dieses Projekt und die wichtige Konferenz in Rom initiiert hat.“

Für Prof. Dr. Barbara Schellhammer, Professorin für Intercultural Social Transformation an der Hochschule für Philosophie München, ist „die Entwicklung einer Kultur der Begegnung so dringend - und doch auch so schwierig. Das wurde uns bei unseren Gesprächen in Rom noch einmal deutlich. Welche Strukturen werden auf globaler Ebene benötigt? Welche Rolle spielt die Digitalisierung und wie kann der interreligiöse Dialog gelingen? Im intensiven Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt haben wir die Kraft der Begegnungskultur erlebt und erkannt, wie wichtig es ist, auch für unsere Studierenden Möglichkeiten zu schaffen, die einen interkulturellen Austausch ermöglichen, um unserer gespaltenen Welt gemeinsam zu begegnen.“

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