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Jesuit bekommt Litauischen Freiheitspreis

Vilnius - Am 13. Januar 2022 wird der litauische Freiheitspreis an drei Mitarbeiter*innen der Chronik der Litauischen Katholischen Kirche – den emeritierten Bischof Jonas Boruta SJ sowie den beiden Schwestern Jesu in Eucharistie Bernadeta Maliskaite SJE und Gerarda Suliauskaite SJE – vergeben. Die Gemeinschaft ‚Sorores Jesu Eucharistici‘ wurde 1947 im Untergrund von dem litauischen Jesuiten Pranciskus Masilionis gegründet.

Mit dem jährlich vergebenen Freiheitspreis werden berühmte Persönlichkeiten oder Organisationen für ihren Beitrag zum Schutz der Menschenrechte, Freiheit und Demokratie ausgezeichnet.

Die Untergrundzeitschrift Chronik der Litauischen Katholischen Kirche, herausgegeben in Litauen unter der sowjetischen Besatzung von 1972 bis 1989, informierte über zahlreiche Kirchenverfolgungen. Bei den Meldungen ging es unter anderem um die Beobachtung und Bestrafung von Religionslehrer*innen, das Verhör von Gläubigen, die an kirchlichen Beerdigungen oder Prozessionen teilnahmen, oder um die Beseitigung von Kreuzen und anderen religiösen Symbolen.

Auf Initiative von Kardinal Sigitas Tamkevicius, Mitglied der damals im Untergrund tätigen Jesuiten, wurden 1972 die ersten Exemplare der ersten Ausgabe der Chronik herausgegeben. Alle zwei bis drei Monate ist es gelungen, mit mechanischen Schreibmaschinen etwa 24 Exemplare im Geheimen zu erstellen und an die Empfänger*innen zu verbreiten, die dann die Ausgabe jeweils an die weiteren Leser*innen weitergaben bzw. ihr Stück ebenfalls vervielfältigten. Man geht von mindesten einigen hundert Exemplaren aus, die nach unterschiedlichen Schätzungen jeweils rund 100.000 Leser*innen erreichten. Zahlreiche Jesuiten waren in unterschiedlicher Form an der Verbreitung dieser Untergrundzeitschrift beteiligt.

Durch die litauischen Vereine und Einzelpersonen gelangte die Chronik in Form von Mikrofilmen auch an die Auslandspresse im europäischen Westen und in den USA, die das Material dann an die breitere Öffentlichkeit vermeldete.

Nach der Verhaftung und Festnahme des Chefredakteurs, Sigitas Tamkevicius SJ im Jahr 1983, übernahm Jonas Boruta SJ diese Position und betreute die Ausgabe bis 1989, kurz vor der Unabhängigkeit Litauens. Die Schwestern Bernadeta Maliskaite SJE und Gerarda Suliauskaite SJE blieben nach der Festnahme von Tamkevicius treu bei der Mithilfe und Erstellung der Chronik

Angesichts zahlreicher KGB-Repressionsversuche gleicht die Tatsache, dass die Chronik – ein wichtiges Widerstandzeichen – sogar 17 Jahre bestand, einem Wunder. Mit der Verleihung des Freiheitspreises sollen nicht nur konkrete Verdienste von drei Mitarbeiter*innen geehrt werden, sondern die aller Beteiligten, welche die Sowjetmacht nicht geschafft hat, zum Schweigen zu bringen.

Zum Anlass des 50-jährigen Jahrestages wurde das Jahr 2022 zum Jahr der Chronik der Litauischen Katholischen Kirche in Litauen ausgerufen, um deren Bedeutung für die Freiheit und Unabhängigkeit des Landes zu verinnerlichen.

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