Eine schwere Entscheidung – aber die richtige
Wie es Bischof Eduard Profittlich nach der sowjetischen Machtübernahme in Estland ging und was ihn bewegte, wird am besten aus seinem am 8. Februar 1941 an seine Geschwister geschriebenen Brief deutlich:
„Es wird das ein Abschiedsbrief sein, ein Abschiedsbrief vielleicht nur für Monate, vielleicht auch für Jahre, vielleicht auch für immer. […] Man hatte mir dringend geraten, als Deutscher auch an dieser Umsiedlung teilzunehmen. Es gab verschiedene Gründe, die mir den Gedanken der Umsiedlung nahe legten. Ich kann diese Gründe hier nicht im einzelnen darlegen. Jedenfalls waren die Gründe so stark, dass ich mich ernstlich mit dem Gedanken der Umsiedlung befaßte und schon nahe daran war, mich auch bei der Kommission zur Umsiedlung zu melden. Da aber fügten sich verschiedene Umstände in meinem Leben so ganz eigenartig, daß ich erkannte, daß es Gottes Wille sei, daß ich hier bleibe. Den Ausschlag gab dann ein Telegramm von Rom, aus dem ich erkannte, daß dieser Entschluß auch dem Wunsche des Hl. Vaters entspreche.“
Er weist sie danach auf die Konsequenzen seines Entschlusses hin und nennt dabei als erste Konsequenz das Ende der Korrespondenz, da er sich nach dem Abzug der deutschen Gesandtschaft durch einen Briefverkehr mit deutschen Staatsbürgern verdächtig machen würde. Die zweite Konsequenz ist, dass er zu einem Sowjetbürger wird, der sich restlos dem Sowjetstaat unterstellt: „Da Ihr wißt, daß der Sowjetstaat im Prinzip religionsfeindlich eingestellt, im besonderen aber die Katholische Kirche mit schiefen Augen ansieht, dann werdet Ihr verstehen, daß dieser Entschluß von weittragenden Folgen sein kann“.
„Trotzdem also menschlich gesprochen die Zukunft nicht gerade sehr angenehm sein wird, habe ich doch den Entschluß gefaßt, hier zu bleiben. Es geziemt sich ja wohl, daß der Hirte bei seiner Herde bleibt und mit ihr Freude und Leid gemeinsam trägt. Und ich muß sagen, daß der Entschluß zwar einige Wochen Vorbereitung kostete, ich ihn dann aber nicht etwa mit Furcht und Angst gefaßt habe, sondern sogar mit großer Freude.“
Am Ende seines Briefes dankt er noch einmal allen für ihre Liebe wie auch für die Spenden für seine Mission in Estland, er bittet sie aber auch um ihr Gebet für ihn. Mit dem bischöflichen Segen „aus der Ferne“ grüßt er seine Geschwister ein letztes Mal als ihr Eduard.